Gut 40 Jahre sorgte sich Josef Schuh, liebevoll wurde er „Sepp“ genannt, um die Blasmusik Don Bosco. Das 60 Jahre Pfarrkirche Neuerdberg Fest war leider ohne ihn.
Die Erinnerung wird leben in dem wir „Die selbe Liebe, wie Sepp sie uns gab“, so aus den Fürbitten der Musikerinnen und Musiker beim Requiem.

http://www.bm-donbosco.at/

Die Blasmusik Don Bosco trauert um ihren Obmann und Ehrenkapellmeister (kurz langjährigen Leiter)
Josef M. Schuh

Ein Nachruf in dankbarer Erinnerung

Sonntag, 24. Juni 2018, die Blasmusik Don Bosco Neuerdberg beginnt in wenigen Minuten das Frühschoppen zum Pfarrfest, heuer ein besonderes, denn es gilt 60 Jahre Pfarrkirche zu feiern. Da fragt jemand „Wo ist denn der Sepp?“ „Der hat angerufen, es ist ihm nicht gut. Er kommt heute nicht“. Noch ahnte keiner von uns, dass das nur eine Notlüge war, um der Pfarre das Fest zu retten. Irgendwie fühlte es sich aber doch eigenartig an, Sepp war doch 40 Jahre fast immer mit dabei. Die traurige Wahrheit gab es dann als der Frühschoppen vorbei war: Sepp ist in der Nacht gestorben. Dass er nicht mehr dabei ist, wird nun der Normalzustand. Und es zeigte sich, dass es richtig war, die Nachricht zurück zu halten, denn die meisten Spieler hingen heulend in den Seilen, brauchbare Musik wäre jetzt nicht mehr zu machen gewesen.

Josef M. Schuh wurde von allen Sepp genannt. Er wollte eigentlich Priester werden. Er war von den Ideen des Ordensgründers Giovanni Bosco fasziniert, und trat in den Orden der „Salesianer Don Boscos“ ein. Im Zuge der eben deswegen langen Vorbereitungszeit kam er aber drauf, dass das doch nicht das Richtige für ihn ist. Er trat aus dem Orden aus, arbeitete als Erzieher im Salesianum, und später als Religions- und Turnlehrer im GRG Diefenbachgasse in Wien 15.

Im Sommer 1974 meldete er sich, als ein Leiter für die ein Jahr zuvor gegründete „Jugendblaskapelle Don Bosco“ gesucht wurde, nachdem der Kapellgründer P. Karl Bleibtreu nach Graz versetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Sepp freilich noch nicht, dass dieser Schritt nachhaltig sein Leben verändern sollte, denn unter den Musikerinnen fand er Ingrid, seine Frau fürs Leben. Unter seiner Leitung ging es schnell aufwärts mit der Kapelle, die sich nicht nur auf das Musizieren beschränkte. Es gab auch einige Theater Aufführungen und in den Semesterferien gemeinsame Schiurlaube. 1979 legte er nach Differenzen mit einigen Eltern seine Funktionen zurück. Ironie der Geschichte war jedoch, dass auch die Kinder von jenen Eltern ebenfalls aufhörten.

1983 ließ sich Sepp überreden, die musikalische Leitung der Kapelle wieder zu übernehmen. Die Kapelle war inzwischen praktisch tot, nur einige Unentwegte spielten wenigstens die Kirchentermine in Quintett-Besetzung. Neuerlich brachte er die Kapelle schnell ins Laufen. Ein Perfektionist würde an einem Stück noch was und noch was verbessern wollen und Gefahr laufen, dass es nie zur Aufführung kommt. Sepp hingegen war der Ansicht, perfekt wird es eh nie, und brachte oft Stücke nach Meinung einiger Spieler viel zu früh zur Aufführung. Es zeigte sich jedoch, dass er auf diese Art genau der Richtige war für eine Kapelle, die von knapp über Null startet. Diesmal währte seine Amtszeit sehr viel länger. Erst 2013 zum 40 Jahr Jubiläum der Kapelle gab er den Dirigentenstab in jüngere Hände. Und 1993 übernahm er zusätzlich die organisatorische Leitung, und diese blieb ihm bis zum Lebensende. Als Dank für seine langjährige Kapellmeistertätigkeit wurde er 2016 zum Ehrenkapellmeister ernannt.

Sepps größte Schwäche war, er konnte nicht delegieren. Bevor er jemanden ersuchte etwas zu tun, machte er es lieber selber. Mit dem Ergebnis dass er so ziemlich alles selber machte. Durch einige Jahrzehnte waren wir wohl die einzige Kapelle in Österreich, wo der Kapellmeister für alle die Notenständer zu den Auftritten mitbrachte. Sepps Auto hatte stets die Größe eines Raubtierkäfigs, da war die Frage „Sepp du fährst eh zum Probelokal, kannst du mir den Koffer mitnehmen?“ keine Seltenheit. Beim Ausladen war er dann freilich allein.
Konsequenz war dann aber auch dass wenig weiter ging. Für jede Kapelle ist es normal, einmal im Jahr ein eigenes Konzert zu veranstalten. Unsere Konzerte gab es im 5 Jahres Rhythmus.

Nachdem er einige Male beim Musikverein Rudolfsheim am Schlagzeug ausgeholfen hatte, ließ er sich überreden auch dort fix mitzuspielen. Somit war er in zwei Kapellen und hatte doppelt so viele Termine. Er sagte häufig, er tut das um leichter an Aushilfen für uns heranzukommen, redete aber andererseits oft von „meinen zwei Kapellen“.

In der verstaubten Blasmusikwelt liegt ein großes Interesse an Ehrungen. Man sollte meinen, einer der 35 Jahre Kapellmeister und 29 Jahre Obmann war, hat einen Kasten voll mit Orden Anstecknadeln etc. Dem war nicht so, sowohl von der Anzahl als auch von der Wertigkeit war das ihm überreichte über lange Zeit eher gering und einfallslos. Auf die Frage „Du Sepp, haben sich die nicht geirrt? Das Zeug hast du ja vor ein paar Jahren schon verliehen bekommen.“ war seine Antwort „das ist wurscht, ich habe eh zwei Uniformen im Kasten, da brauche ich nicht dauernd umstecken.“

Wichtiger als das waren ihm stets Freundschaft und gegenseitiger Respekt. Sepp liebte die guten Seiten des Lebens, ein schöner Urlaub, ein gutes Essen, ein kühles Bier, ein gutes Gläschen Wein. Aber er konnte Maß halten, er war ein Genießer. Seine Engelsgeduld zeichnete ihn aus, machte aber sein Leben nicht einfacher.

Natürlich hatte Sepp auch seine Schrullen. Legendär sein Marschier-Kommando, das es nur bei uns gab: „Fertig machen zum Einschlagen!“. Unzählig die e-Mails, die an ihn nicht zugestellt werden konnten, denn seine Mailbox war dauernd voll. Seine Einstellung war, wer von mir was will, soll mit mir reden.

2005 gab es einen tiefen Einschnitt in seinem Leben. Die schlimmsten Wochen in seinem Leben waren wohl jene drei Wochen als seine Frau Ingrid zunächst im Koma lag. Er, der Macher, der gerne selbst anpackt, konnte es schwer ertragen, nur Warten und Hoffen zu können. Danach erwachte Ingrid zwar wieder, blieb aber behindert, und für Sepp wurde die Pflege seiner Frau zur Lebensaufgabe Nr. 1. Was aber nicht bedeutete, dass er bei der Blasmusik zurück steckte. Man hatte den Eindruck, er braucht die Musik als Abwechslung vom frustrierenden Alltag.

Schließlich wurde aus verschiedenen Gründen unserer Blasmusik die Rechtsform eines Vereins gegeben. Einer der Gründe war, den Einzelkämpfer durch ein Team zu ersetzen – ein Team mit Sepp nicht statt Sepp. „Ich bin nicht dafür, aber ich lege mich nicht quer“ sagte er. Mit starren Statuten, Vorstandssitzungen, jährlichen Generalversammlungen und Budgets konnte er sich wenig anfreunden. Er spürte aber, dass schön langsam die Nachfolgefrage gelöst werden musste.

Zuletzt musste er dann wirklich kürzer treten. Auftritte mit Marschieren wie die verschiedenen Prozessionen konnte er nicht mehr mitmachen, da streikten seine Knie. (Tribut an die seine Jugend-Jahre mit viel Sport. Immerhin war er u.a. geprüfter Schilehrer und offizieller Fußball-Schiedsrichter.) Was ihn aber nicht davon abgehalten hat, verlässlich mit seinem großen Auto die Musik-Termine organisatorisch zu unterstützen.

Die Gefahr, dass die Kapelle zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit nach seinem Ausscheiden eingeht, ist gering. Sein Lebenswerk ist uns Vermächtnis und Auftrag. Einige Male werden wir uns aber blutige Nasen holen an einer geschlossenen Tür, wo wir bisher gewohnt waren, dass sie Dank Sepp schon geöffnet war. Aber unabhängig von der künftigen Entwicklung der Kapelle, der Mensch Sepp hinterlässt auf jeden Fall ein großes Loch.

Danke Sepp!