Unsere Kirche

Die heutige Pfarrkirche wurde auf dem Grund einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Volksschule erbaut. In mühevollen Verhandlungen gelang es, das Grundstück durch Kauf und Grundstückstausch zu erwerben. Von 1954-1958 errichtete Prof. Robert Kramreiter die neue Kirche, einen gut proportionierten Bau mit Stahlbetonwänden und Betonmaßwerkfenstern. Die Außenwände waren die ersten Sichtbetonwände, die in Europa gebaut wurden.

Das Gotteshaus besteht aus einer zwischen turmartigen Mauerblöcken in Betonmaßwerk-Fenster aufgelösten und von der Straße etwas zurückversetzten Fassade, einem basilikalen Langhaus mit einer geschlossenen West- und einer durchfensterten Ostwand, in einer flachen, halbkreisförmigen Apsis geschlossenem Chor und einem Nordostturm, in dem sich über Jahrzehnte eine Jugendherberge befand. Das Mittelportal ist mit Emailmosaik-Feldern von Otto Beckmann versehen: „Mysterium der Schöpfung und die Sakramente“.

Die im Mittelschiff dreizehn Meter hohe, dreischiffige weite Kirchenhalle mit basilikalem Schnitt ist auf nur vier Pfeiler gestützt, sodass man von allen Punkten mindestens zwei Drittel des Altarraumes sehen kann. Die kühne Deckenkonstruktion des Mittelschiffes besteht aus konvexen Betonschalen, die den Eindruck eines Zeltes vermitteln. Beschirmend und beschützend soll es an das ,,Zelt Gottes unter den Menschen“ (Offb 21,3) erinnern.

Im östlichen Seitenschiff der Kirche fällt sofort das circa 20 Meter lange und 4 Meter hohe moderne Maßwerk auf, das von Prof. Georg Meistermann gestaltet wurde. Dieses – ein Betongebilde mit eigentümlichen Überschneidungen – ist sehr lebendig und mutet wie eine Überwindung des schweren Baustoffes es an. Das Fenster selbst stellt mit Farben und Symbolen das Kirchenjahr dar.

Über einen Stufenabgang gelangt man in die Unterkirche, in der verschiedene kleinere Gottesdienste gefeiert werden. Außerdem befindet sich hier zwischen Gründonnerstagabend und Karsamstagnachmittag das Heilige Grab.

Das Heilig-Geist-Fenster der Nordseite ist ein Werk von Prof. Rudolf Sziskovits aus Graz. Hier deutet er den Evangelienbericht, dass der Geist „wie eine Taube“ herabkam. Etwas, das wirklich ist, „wie“ eine Taube, aber durchaus keine naturalistische Taube sein will, stürzt leuchtend in roten Tönen brennend aus der Höhe in die Tiefe der Welt, deren Dunkelheit vor diesem Feuerbrand der Liebe Gott es flieht.

Neben dem Reliquien-Altar sehen wir die Madonna mit Kind, eine Grödner Schnitzarbeit des Tiroler Bildhauers Franz Ranalter.

Elf Stufen führen zum Hauptaltar aus gelblichem Travertin-Marmor (Josef Pillhofer). In der Koncha (10 mal 9 Meter) befand sich früher ein Altarbild, das 1970 durch ein großes Kreuz ersetzt wurde. Der Hauptaltar hat eine klare Tischform. Auf ihm befindet sich ein Platin-Tabernakel mit zwei Bergkristallen. Bemerkenswert ist, dass er bereits 1958 an dieser Stelle aufgestellt wurde und dabei schon einiges der Liturgiereform (die erst 1969, also nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, erfolgte) vorwegnahm. Das Volk – durch die Ministranten repräsentiert – konnte schon damals um den Tisch sitzen.

Dem Altarraum gibt ein Fenster von Margret Bilger das Licht, das um die Nachmittagsstunden in leuchtenden Farbbündeln über die Rückwand wandert und sie mit eigentümlichem Leben erfüllt. Ein Fenster, das der „rosa mystica“, der geheimnisvollen Rose Maria geweiht wurde. Das Antikglasfenster zählt in seiner prächtigen Farbigkeit zu den Hauptwerken der Margret Bilger. Als inneres Motiv der Komposition nannte die Künstlerin: Leiden – Suchen – Leiden – Finden. Das Fenster wurde vom damaligen Direktor, P. Anton Schmidt SDB, in Auftrag gegeben.

Unterhalb des Hochaltares befindet sich seit 1988 der Volksaltar. Ziel dieser „Verlegung“ war es, den Altar näher zum Volk zu bringen – im Sinn der „Circumstances“ (dabei wurde der Altar als Handlungsmittelpunkt des katholischen Ritus konsequent wieder in den Raum und unter die Menschen gestellt) und eines besseren „Zuganges“ für das Verständnis der Mitfeiernden im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Zugleich wurde ein neues Vortragekreuz angefertigt sowie ein Gestell für das Evangeliar. Außerdem wurden die vorderen Reihen der Kirchenbänke umgestellt, d.h. um 90 Grad gedreht und die ursprünglich aufgestellte „Kommunionbank“ entfernt. Der Volksaltar befand sich anfänglich in der Hauskapelle des benachbarten Salesianums. Das Besondere daran ist das Furnier aus dem Holz einer 20.000 Jahre alten Mooreiche, die beim U-Bahn-Bau am Karlsplatz in 40m Tiefe gefunden wurde. In der Mitte wurde ein Messingkreuz eingelassen, die Maserung strahlt aus dem Zentrum heraus.

Gleich neben der Sakristei sehen wir ein Fenster von Kurt Absolon. Dieses ist ein Spiel in weiß, dunkelgrau, gelb, rot und violett und zeigt in zarten Andeutungen die Symbole der Liebe Christi in der Form eines Kreuzes. Auffallend auch die Apostelkreuze, die vom ersten Kreuz an rechts vom Hochaltar (Epistelseite) angebracht sind.

Im westlichen Seitenschiff der Kirche befindet sich der Kreuzweg, der anlässlich des heiligen Jahres 1975 von Prof. Hermann Bauch gestaltet wurde. Die 14 Kreuzwegstationen sind ergänzt um Darstellungen des letzten Abendmahles und des auferstandenen Christus. Der erste Kreuzweg wurde übrigens 1959 „durch einen Franziskanerpater“ geweiht und war „ein ganz schlichter Hinweis auf die 14 Stationen mit Holzkreuz und römischer Zahl“.

Besondere Bedeutung hat die Don Bosco Statue im Eingangsbereich. Don Bosco ist Patron der Pfarrkirche wie auch der Pfarrgemeinde. So wurde zum 100. Todestag dieses Heiligen im Jahre 1988 diese Statue von der Pfarrgemeinde in Auftrag gegeben und vom Wiener Künstler Hubert Wilfan angefertigt. Es ist keine der üblichen Portraitfiguren, vielmehr ist Don Bosco der „Empfangschef“, der unübersehbar die Leute mit dem Zeigefinger in die Kirche einlädt, sie aber auch deutlich auf Christus hinweist, indem genannter Zeigefinger über die Schulter auf das Kreuz zeigt. So ist es der Herr selbst, der allen zuruft: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28).

Die figurale Aussage selbst will auf das bewegte Leben des Heiligen und auf die Widerstände hinweisen, die er von Staat und Kirche zu ertragen hatte. Die Figur wurde in Italien gegossen. Der Sockel und die längs und nicht quer gerichtete Kerzen- und Blumenbank sind aus Travertin, einem Kalkkonglomerat.

Anlässlich des 50. Kirchweihfestes fertigte der Künstler Mag. Heinz Ebner im Auftrag der Pfarre und des Pfarrgemeinderates ein Taufbecken für die Don Bosco-Kirche. Am 22. Juni 2008 wurde das fertig gestellte Taufbecken von Weihbischof DDr. Helmut Krätzl gesegnet.

Drei Marmorstelen unterschiedlicher Formate versinnbildlichen die Heilige Dreifaltigkeit und tragen drei Glasscheiben in gestaffelter Größe; die oberste und größte Glasscheibe ist zu einer Glasschale mit einem Durchmesser von 120cm geformt. Auf einer separaten Marmorplatte steht die Taufschale. Alle Glasteile sind in Fusingglas gestaltet. Für die Wirkung des Taufbeckens sind die Raumbeleuchtung und die gestalteten Glasfenster in unmittelbarer Nähe von großer Bedeutung. Durch Reflexion und Lichtbrechungen entstehen je nach Tageszeit und Blickwinkel unterschiedlichste Eindrücke.

Südlich des Atriums der Kirche befindet sich die sogenannte Wochentagskapelle, die unter der Leitung von Pater Fritz Debray (1909-2002) künstlerisch umgestaltet wurde und am 4. Mai 1991 feierlich eröffnet wurde. Bis 2008 diente dieser Sakralraum auch für Tauffeiern, heute ausschließlich für die Gottesdienste während der Woche. Vorhandene Stufen teilen den Raum in zwei korrespondierende Raumelemente.

Der Tisch als Mittelpunkt bestimmt den Feierraum der Gemeinde, weil er Sinnbild Christi ist. Die eigentümlich schwebende Tischplatte hebt die Einmaligkeit der Eucharistie eigens hervor. Der Licht-Baldachin betont diese Heilige Mitte für die um sie vereinte Gemeinde des Herrn, die Kirche. Ein bronzenes Geistsymbol weist im Raum der Meditation auf den Geist Gottes hin. In diesem Raumteil befindet sich ein Kreuz Christi und eine große Bildbatik, die den Auferstandenen in anderer Seinsweise zeigt. Das Ähren-Memorial bezieht sich auf Johannes 12,24: „Wenn das Weizenkorn stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Die Spannung zwischen Kreuz und Ähre ist die Aussage des Meditationsraums.

Der 45 Meter hohe Kirchturm lässt sich über 220 Stufen erklimmen. Dort oben „in luftiger Höhe“ befinden sich die 1975 installierten vier Kirchenglocken, die der Gottesmutter Maria, dem heiligen Johannes Bosco, dem heiligen Dominikus Savio und dem heiligen Josef geweiht sind.

Quellen:
Bildband und Kirchenführer Don Bosco Kirche Neuerdberg (2009)
75 Jahre Pfarre Neuerdberg – Ein Rückblick (2014)